2008 Jagdstatistik - Kommentare
Kurzkommentar Schalenwildstrecke
Rotwild
Die Rotwildstrecke ist im Jahr 2008
gegenüber 2007 um 6,3 % oder 66 Stück
zurückgegangen. Die wesentlichen Probleme
der letzten Jahre haben sich auch
im Berichtsjahr 2008 nicht verbessert.
Der ungünstige Altersklassenaufbau und
das Fehlen von reifen Hirschen in der
Klasse I werden in Abschusslisten noch
dramatischer aufgezeigt. Auch bei den
Hirschen der Klassen II und III konnten
weniger erlegt werden als im Jahr zuvor.
Um zukünftig einen Rotwildbestand zu
sichern, der für uns Jäger und auch für
die Land- und Forstwirtschaft erträglich
ist, wird es notwendig sein, das Thema
Rotwild (Bewirtschaftung) generell zu
überdenken. Vor allem die Lebensräume
werden zukünftig einer weitläufigen Betrachtung
zu unterziehen sein, wo großräumige
Rotwildhegegemeinschaften einen
Ansatz darstellen können.
Rehwild
Die Rehwildstrecke verzeichnet gegen -
über dem Vorjahr einen leichten Anstieg
um 3,2 % oder 683 Stück.
Eine besondere Problematik für den Rehwildbestand
ist der zunehmende Straßenverkehr.
Laut den Abschusslisten 2008
beträgt der Straßentodanteil beim Rehwild
17 % von der Gesamtstrecke. Dies
bedeutet zwar einen leichten Rück gang
gegenüber dem Vorjahr, zeigt aber dennoch
ein hohes Verkehrsaufkommen, wovon
diese Wildart besonders betroffen ist.
Bemühungen mit Wildwarngeräten und
Hinweisschildern konnten diesen Trend
leider nicht umkehren, Abhilfe schaffen
könnte nur eine den Gegebenheiten angepasste
Fahrtgeschwindigkeit.
Bei der Abschussplanung wird in der Zukunft
auch ein von der Landesforstbehörde
vorgelegtes Wildverbissmonitoring
eine steigende Bedeutung haben, vor
allem dort, wo sehr hohe Erfüllungsquoten
ausgewiesen sind.
Damwild
Der Damwildabschuss ist gegenüber 2007
um 19,2 % angestiegen, aber die Erfüllungsquote
von 36 % vom Abschuss plan
zeugt von geringen Beständen und von einer
untergeordneten Bedeutung dieser Wildart.
Die starken Schwankungen beim Abschuss
der vergangenen Jahre deuten eher auf lokale
und temporäre Vorkommen hin.
Muffelwild
Der Muffelwildabschuss ist gegenüber
2007 beinahe ident (+ 1 Stück). Der ungünstige
Altersklassenaufbau sowie die
Quote der Abschusserfüllung deuten auf
eine ähnliche Problematik wie beim Rotund
Damwild hin.
Schwarzwild
Der Schwarzwildabschuss ist im Vergleich
zu 2007 um rd. 10 % zurückgegangen,
ist aber mit 8.234 Stück dennoch
sehr hoch. Die Veränderung der Lebensräume
in der Landwirtschaft (verbunden
mit dem verstärkten Maisanbau) lässt
noch eine Verschärfung des Problems
hinsichtlich Wildschäden erwarten. Es
wird auch beim Schwarzwild die Hege
(Kirrungen/Fütterungen) und Bejagung
im Hinblick auf Schadensminimierung in
der Landwirtschaft zu überdenken sein.
BJM Kurt KANZER
Schalenwildreferent des BLJV
Kurzkommentar Niederwildstrecke
Das gute Ergebnis des Niederwildjahres 2007 konnte im
Jahr 2008 nicht ganz gehalten werden, die Rückgänge sind jedoch recht moderat
und betreffen vor allem das Federwild (Fasan und Rebhuhn). Besorgnis erregend
bleibt leider die Entwicklung beim Rebhuhn. Hier gab es nur aus dem Bezirk
Oberpullendorf (+ rd. 20 %) Erfreuliches zu berichten. Alle anderen Bezirke
verzeichneten ein mehr oder weniger deutliches Minus bei der Rebhuhnstrecke
im Jahr 2008 – das Rebhuhn kommt mit den Veränderungen des Lebensraumes
bzw. der Landwirtschaft am schlechtesten zurecht und stagniert im Großteil
des Burgenlandes (mit Ausnahme der Bezirke Neusiedl/See und Güssing) seit
vielen Jahren auf niedrigem Niveau.
Die Herabsetzung der Brache- bzw. Stilllegungsverpflichtung auf null Prozent
gilt auch im Jahr 2009 (und vermutlich auch in den nächsten Jahren) und
hatte bereits eine drastische Reduktion von Ökowertflächen in vielen Niederwildgebieten
zur Folge. Das ÖPUL 2007 bietet dem engagierten Niederwildheger aber auch
in den kommenden Jahren noch interessante Möglichkeiten, die Tragfähigkeit
des Lebensraumes für das Niederwild zu erhöhen (z.B. WF-Flächen, Blühstreifen,
Begrünungen) – man muss sich nur aktiv mit dem Thema befassen.
Beim Raubwild ist vor allem die Fuchsstrecke wieder kräftig angestiegen – innerhalb von zwei Jahren (2006 waren es nur 3.330 Füchse) um 1.700 Stück auf über 5.000 Füchse. Es kann nicht oft genug betont werden: nur wenn sich alle Reviere (auch reine Waldreviere) bei der Raubwildregulierung engagieren und mitarbeiten, kann es gelingen, die Fuchsbestände halbwegs in den Griff zu bekommen.
DI Dr. Leopold CECIL
Niederwildreferent des BLJV