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Jagd und Tourismus - ein oder kein Gegensatz?

von Dr. Klaus Hackländer

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Das Burgenland entwickelt sich immer mehr zu einem beliebten Ziel für Urlauber aus dem In- und Ausland. Seit Mitte der 90er Jahre stieg in diesem Bundesland die Anzahl der Übernachtungen um ca. 500.000 auf fast 2,5 Millionen pro Jahr. Was den einen freut, ist des anderen Leid. Für das Burgenland ist diese Entwicklung hoch erfreulich, denn der Tourismus bringt jährliche Einnahmen von über 300 Millionen Euro und schafft tausende Arbeitsplätze. Ein wesentlicher Pluspunkt für das Burgenland ist seine herrliche Landschaft mit vielfältigen Strukturen und einmaligen Möglichkeiten des Naturerlebnisses, auch außerhalb des Nationalpark Neusiedler See. Die burgenländische Jägerschaft hat in den letzten zehn Jahren mit über 1 Million Euro Aufwendungen für die Errichtung von Windschutzgürteln, Hecken und Feldgehölzen sowie durch die Anlage von Wasserstellen und Feuchtbiotopen wesentlich zur Bereicherung der Landschaft und zur Sicherstellung des Naturgenusses beigetragen.

Auf der anderen Seite beobachtet die burgenländische Jägerschaft mit Sorge auch die Nachteile des zunehmenden Tourismus. Da ist zunächst einmal der Landschaftsverbrauch zu nennen, der durch den Bau von Thermen oder Golfplätzen entsteht und der den einheimischen Wildtieren Lebensraum nimmt. Aber auch außerhalb dieser örtlich beschränkten Eingriffe wird im Zuge der touristischen Entwicklung Lebensraum zerstört, neben über 1.800 km Radwegen zerteilen auch immer mehr, speziell für Inline-Skater angefertigte, Asphaltstrecken die Reviere. Infolge der Zunahme an Touristen müssen auch vermehrt Straßen angelegt oder ausgebaut werden. Stark befahrene oder breite Straßen können nicht nur den Austausch zwischen Wildtierpopulationen verringern und damit zur Gefahr der genetischen Verarmung isolierter Bestände bergen, sondern tragen auch zu einem be-trächtlichen Teil der jährlichen Jagdstrecken bei. Allein im Jagdjahr 2003 wurden auf burgenländischen Straßen über 3.200 Rehe und fast 4.800 Feldhasen durch Kraftfahrzeuge getötet.

 

Was den Jäger im Revier aber sicherlich am meisten beunruhigt ist die Tatsache, dass durch die Aktivitäten der Touristen Unruhe in das Revier gebracht wird. Neben den klassischen Freizeitaktivitäten wie Wandern und Reiten gehen immer mehr Urlauber auch modernen Sportarten wie Jogging, Mountain Biking oder Nordic Walking nach. Es gibt zwar wenig wissenschaftliche Nachweise für einen negativen Einfluss von Touristen auf einheimische Wildtiere, aber Fallstudien bei anderen Tierarten zeigen, dass durch touristische Aktivitäten die Erfolgsrate bei der Jungenaufzucht sinkt, der Energieverbrauch steigt, die Zuwachsrate der Population zurückgeht und damit insgesamt der Bestand abnimmt. Die Störanfälligkeit der verschiedenen Tierarten kann dabei sehr unterschiedlich sein. Manche Arten gewöhnen sich sogar rasch an Touristen und zeigen kaum mehr Reaktionen solange Wege nicht verlassen werden oder Hunde angeleint bleiben. Dennoch sollte man die Zunahme an Freizeitaktivitäten in der Natur- und Kulturlandschaft in Zukunft besser lenken, um Störungen grundsätzlich zu vermeiden. Dazu gehören folgende Maßnahmen:
- Aufklärung der Touristen über die Bedeutung von Störungen durch Informationsblätter und -tafeln,
- Wegegebot und gute Beschilderung der Wege,
- Schaffung von Rückzugsräumen mit Nutzungsverbot.

Jagd und Tourismus sollten ihre Gemeinsamkeiten erkennen und Konflikte von Beginn an vermeiden. Gegenseitiger Respekt und vorbildhaftes Verhalten sind dabei eine Grundvoraussetzung. Mit dieser Einstellung und den oben genannten Maßnahmen zur Störungsvermeidung ist es möglich, die positiven Effekte des Tourismus mit dem Schutz der heimischen Wildtiere zu verbinden.

 

 

 

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