Thema: Windräder, ein Risiko für Wildtiere?
Das Öl wird versiegen, die Kernkraft ist umstritten,
Sonne, Wind, Wasser und Biomasse bieten sich als alternative Energiequellen
an. Diese erneuerbaren Energien werden in der EU auch deshalb gefördert,
um die Zielvorgaben von Kyoto rascher zu erreichen.
Sind Windkraftanlagen für die Umwelt, die Wildtiere
unbedenklich oder belastend?
Diese Frage stellten sich anlässlich ihrer Tagung in Graden in der
Weststeiermark die in der Internationalen Jagdkonferenz (IJK) zusammengeschlossenen
Jagdverbände: Revierjagd Schweiz, Schweizerischer Patentjäger-
und Wildschutzverband (SPW), Liechtensteiner Jägerschaft, Deutscher
Jagdschutzverband (DJV), Koninklijke Nederlandse Jagers Vereniging, Südtiroler
Jagdverband, Fédération Saint-Hubert des Chasseurs du Grand-Duché
de Luxembourg, Slowenischer Jagdverband und die Österreichischen
Landesjagdverbände.
Die Tagungsteilnehmer haben dazu wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungsberichte von Experten aus verschiedenen Ländern gehört. Nach ausführlicher Diskussion sind sie zu folgenden Schlüssen gelangt:
"Die in der IJK zusammengeschlossenen Jagdverbände stehen der Nutzung erneuerbarer Energiequellen grundsätzlich positiv gegenüber. Die Auffassung, man könnte Windkraftanlagen als umweltfreundliche Technologie problemlos überall installieren, ist aber nicht gerechtfertigt. Da der Schutz der Umwelt eines der wesentlichsten Argumente für die Errichtung von Windparks ist, sol-ten Windparks nur dann errichtet werden dürfen, wenn vorher die Standorte auch aus der Sicht des Landschaftsschutzes auf ihre Eignung geprüft, die Umweltverträglichkeit der Anlagen untersucht und die möglichen Auswirkungen auf wildlebende Tiere abgewogen wurden.
Jedes Windparkprojekt beeinflusst in unterschiedlicher Ausprägung sowohl standorttreue als auch wandernde Wildarten sowie Zugvögel. Das Ausmaß der Beeinflussung wird oft unterschätzt, weil Langzeitstudien darüber erst ungenügend vorliegen. Bloße Momentaufnahmen können über die langfristige Umweltverträglichkeit eines Windparks keine brauchbare Aussage liefern. Wissenschaftliche Studien dazu werden deshalb gefordert.
Besonders im Gebirge sind Windparks abzulehnen. Meist sind dafür exponierte Kämme in der Almregion vorgesehen. Dort aber befinden sich Restlebensräume sensibler Wildarten wie Birkhuhn und Schneehuhn. Allein für den Bau der Anlagen sind Störungen und schwerwiegende sowie bleibende Eingriffe in die Landschaft unvermeidlich. Der Betrieb und die Wartung setzen die Belastung der betroffenen Flächen fort. So würden zum Beispiel die Rauhfußhühnervorkommen verinseln und in der Folge auch in umliegenden Gebieten ausöden.
Noch naturnahe Lebensräume dürfen daher für den Bau großtechnischer Anlagen keinesfalls zur Verfügung gestellt werden.
Grundsätzlich muss nach dem Vorsorgeprinzip in sensiblen Wildtierlebensräumen jede zusätzliche Störung der Brut-, Aufzucht-, Nahrungs- und Balzplätze sowie der Flugrouten und der wichtigen Winterlebensräume vermieden werden. Dem Arten- und Lebensraumschutz ist dort jedenfalls Vorrang einzuräumen."