Der Ausspruch des Jägers, Sachverwalter der Natur und der Wildtiere zu sein, wird oft vom Nichtjäger mit dem Verhalten des Jägers zum Lebensmittel Wild gemessen.
Verunfalltes Wild muss zur weiteren Begutachtung im Sinne der Wildfleischverordnung
dem Fleischuntersuchungstierarzt vorgestellt werden. Dieser kann das Stück
als tauglich beurteilen oder weitere notwendige Untersuchungen (Bakteriologie)
einleiten. Der Umstand (KFZ-Fallwild) ist vom Jäger auf dem Wildbret-Anhänger
anzuführen.
Der Jäger hat eine Aufgabe zu erfüllen, die identisch ist mit
einem amtlich bestätigten Fleischkontrollor.
Voraussetzung für die Beurteilung der Unbedenklichkeit
von Unfallwild als Lebensmittel sind:
• Kenntnis und Befolgung der fleischhygienerechtlichen Vorschriften
Unfallwild nur mit Handschuhen versorgen, da hier ein wichtiger Teil
der Fleischbeschau, nämlich die Lebendbeschau durch den Jäger
entfällt.
Hohe Infektionsgefahr!
• bakterielle Belastungen des Unfallwildes
Bodenbakterien spielen bei gutem Schuss keine Rolle.
Bei Unfallwild, das längere Zeit mit dem Boden in Berührung
ist, dringen Bodenbakterien ein. Die Stoffwechselprodukte dieser Bodenbakterien
wirken sich geruchs- und geschmacksartig aus.
Zusätzlich produzieren sie für Mensch und Tier gefährliche
Gifte (Toxine). Diese Toxine bleiben selbst beim Erhitzen von 80 Grad
im Fleisch erhalten.
Keimgehalt von Unfallwild mit Verletzung der Bauchorgane:
ausgeweidet nach 30 Minuten...........................35% des Fleisches
stark keimhältig
ausgeweidet bis zwei Stunden..........................62% des Fleisches
stark keimhältig
ausgeweidet nach mehr als zwei Stunden......100% des Fleisches stark keimhältig
Der sogenannte „Hautgout“ ist kein erstrebenswerter starker Wildgeschmack, sondern ist auf bakterielle Fäulnisprozesse an der Fleischoberfläche zurückzuführen.
• Fleischreifung – Unfallwild
Das in der Muskulatur vorhandene Glycogen wird in Milchsäure umgewandelt.
Säuerung wirkt antibakteriell und gibt dem Wildbret eine bessere
Haltbarkeit, ein spezifisches Aroma und verleiht ihm Zartheit.
Beim Unfallwild kommt es zu einer unvollständigen Fleischreifung.
An der Muskulatur entstehen Buttersäure, Schwefelwasserstoff und
Abbauprodukte des Blutfarbstoffes. Die Muskulatur erscheint bräunlich
oder kupferrot. Das Wildbret ist stichig, trocken und brüchig. Bei
verunfalltem Wild setzt die Totenstarre fast blitzartig ein und löst
sich nach kurzer Zeit wieder auf.
Diese „Notreifung“ liefert ein qualitativ minderwertiges,
wässriges und zum Teil verhitztes, unangenehm riechendes Wildbret.
Lässt man solches Wildbret lange abhängen, wird es durch Fäulnisbakterien
mürbe. Derartiges Wildbret weist nach seiner Zubereitung einen leberartigen,
manchmal auch fauligen oder muffigen Nachgeschmack auf.
• Kälteschock
Wird Unfallwild längere Zeit einer Temperatur unter plus 10 Grad ausgesetzt, tritt eine Muskelverhärtung ein, die sich nicht mehr löst. Das Fleisch wird zäh.
Heute wissen wir, dass Wildbret durch Mikroorganismen zersetzt und damit
mürbe gemacht, genussuntauglich sogar gefährlich sein kann,
besonders in rosa oder halbrohem Zustand verzehrt.
Lassen wir die Empfehlungen für die Behandlung von verunfalltem Wild
unbeachtet, verharren wir auf einem Wissenstand wie zur Zeit der Jagd
mit Speer oder Vorderlader.