„Jagdwaffen“ - Thema der Intergruppe „Nachhaltige Jagd“ im EU-Parlament
Die parlamentarische Intergruppe im Europäischen Parlament „Nachhaltige Jagd, Biodiversität und Ländliche Aktivitäten“ traf sich am 27. September 2006 im Europäischen Parlament zum Thema „Jagdwaffen und Sportwaffen in der EU“.
Unter zahlreichen interessierten Abgeordneten des EP fanden sich u.a.
Agnes Schierhuber (ÖVP) und Dr. Michl Ebner (Italien/ Südtiroler VP, Leiter
der Intergruppe) ein. Den Vorsitz zum Thema „Waffen“ hatte der oberösterreichische
EU-Abgeordnete Dr. Paul Rübig (ÖVP), der sich in der Vergangenheit stets
dem Thema „Waffenbesitz - Waffentransport“ gewidmet hatte. Bereits in
seiner Eröffnung bekräftigte Dr. Paul Rübig, dass in einem „Europa der
27“ künftig ein klares Bekenntnis zum legalen Waffenbesitz und Waffentransport
durch gesetzestreue europäische Bürger wichtig sei - dies vor allem auch
für die Umsetzung der Binnenmarktidee der Europäischen Union. Ein UNO-Protokoll
„betreffend die Bekämpfung der unerlaubten Herstellung von und des unerlaubten
Handels mit Schusswaffen, Teilen davon und Munition - gegen die grenzüberschreitende
Kriminalität“ mache jetzt eine Durchsicht und allfällige Nachbesserung
der EU-Waffenrichtlinie notwendig. G. Martins von der Europäischen Kommission
berichtete positiv über die Waffenrichtlinie, die 1991 verabschiedet wurde.
Die Richtlinie funktioniere gut, auch die 10 Beitrittsländer 2004 haben
diese Richtlinie zwischenzeitig gut umgesetzt. Das von der EU-Kommission
im Jahr 2001 unterzeichnete UNO-Protokoll richte sich gegen das organisierte
Verbrechen und gegen die internationale Kriminalität. Einige Elemente
des Protokolls sollten nun auch in der Waffen- Richtlinie umgesetzt werden
- vor allem was die Kennzeichnung bei der Herstellung von Schusswaffen
oder das Führen eines Waffenbuchs durch Waffenfachhändler betrifft. Viele
Mitgliedstaaten hätten diese Inhalte des UNO-Protokolls längst umgesetzt.
Die deutsche Berichterstatterin im zuständigen Ausschuss für Binnenmarkt,
die Abgeordnete Gisela Kallenbach (Grüne), sah seit 1991 einen „langen
Zeitraum vergangen“ und möchte in eine ganz andere Richtung gehen: Nämlich
die Waffenrichtlinie grundlegend überdenken und erneuern, um diese wiederum
für viele Jahre anwendbar zu machen. In der angeregten Diskussion wurde
von den Abgeordneten eher befürchtet, dass die Berichterstatterin die
Änderung der Waffenrichtlinie viel eher zum Anlass nehmen würde, das europäische
Waffenrecht generell „strenger und restriktiver“ zu machen. Dabei kam
heraus, dass die von der UNO geforderten Grundsätze über Kennzeichnung
der Schusswaffen durch die CIP-Normen seit Jahrzehnten längst umgesetzt
sind. Mit der Waffenrichtlinie 91/477/EWG sind alle beteiligten Interessen
durchwegs zufrieden. Viele der Diskussionsteilnehmer mahnten daher zur
Vorsicht, durch eine Abänderung der Waffenrichtlinie in Richtung „unerlaubte
Herstellung/unerlaubter Handel mit Waffen“ nicht die gut funktionierende
Richtlinie zu verfälschen oder zu erschweren. Agnes Schierhuber meinte
dazu: „Die Waffenrichtlinie hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt,
daher sollte man nicht - nur um der Reform willen - reformieren!“
Dr. Paul Rübig schloss die interessante Diskussion mit dem Hinweis in Richtung Gisela Kallenbach: „Der Europäische Feuerwaffenpass für die legalen Waffenbesitzer - wie das die Jäger sind - und seine flächendeckende Anerkennung muss eines der Ziele der EU sein. Ein gemeinsames Vorgehen im „Europa der 27“ gegen das organisierte Verbrechen und die internationale Kriminalität ist wichtig, darf aber den einzelnen Bürger nicht seiner Rechte entheben!“
Dr. Peter LEBERSORGER
als Vertreter der Österreichischen Landesjagdorganisationen