Auf Deckungssuche im Niederwildrevier
In den letzten 10 bis 15 Jahren sind über spezielle Förderprogramme, später ÖPUL-Programme, der Landwirtschaft viele tausende Hektar der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung entzogen und wenn wir so wollen, der Natur zurückgegeben worden.
Ein Trend, welcher in nächster Zeit zu schwinden scheint. Zwar soll einiges Geld im „phasing out“ der Landwirtschaft zukommen, aber beim ÖPUL wird weniger ankommen als wir uns erwarten.
Für das Niederwild und alle Bodenbrüter war dies ein „Goldenes Zeitalter“.
Von nun an wird es im Revier, so fürchten wir, wieder ruhiger werden.
Dennoch sollen wir uns nicht schmollend in die Ecke stellen, sondern auch
diesmal alle Möglichkeiten ausloten und uns mal umsehen.
Eine Möglichkeit bieten uns die Energiepflanzen, wie
Miscanthus giganteus (Elefantengras)
Auf der Suche nach Alternativenergie war man nach dem ersten Ölschock
auf diese Pflanze mit den hohen Biomasseerträgen gestoßen. Der hohe Silikatgehalt
der Asche machte den Öfen jedoch einige Probleme und so wurde es um diese
Pflanze wieder stiller.
Uns Jägern war natürlich die Deckungseffizienz des unter dem Namen „Elefantengras“ populär gewordenen schilfartigen Gewächses aufgefallen und so vermehrten doch einige Reviere den Miscanthus giganteus über Rhizome (bewurzelte unterirdische Sprosse) oder Ballenpflanzen.
Gegenwärtig erlebt das massereiche Elefantengras jedoch eine Renaissance, da den Ofenherstellern ein technischer Durchbruch gelungen ist. Nicht nur die Heizung interessiert ländliche Betriebe, auch die Fruchttrocknung scheint bei den gegenwärtig hohen Energiepreisen ein interessanter Markt zu werden.
Anbau: Üblicherweise erfolgt der Anbau über im Glashaus vorgetriebene
Rhizome oder über Kleinballen zu Anfang Mai. Die Anbaukosten liegen zur
Zeit zwischen EUR 5.000,– und EUR 7.000,– pro Hektar. Bei einem Zielbestand
von 1 Ballen/m2, also 10.000 Pflanzen, ein respektabler Preis, welcher
jedoch relativiert werden kann. Erstens in Zusammenarbeit mit auspflanzungswilligen
Landwirten. Zweitens durch Anlage von Mutterquartieren und eigener Erzeugung
von Topfpflanzen. Und drittens, wenn es eilt, statt eines Pflanzenverbandes
von 1 x 1 m ein solcher mit 2 x 1 m. Die Pflanzen wachsen im ersten Jahr
zu Büscheln von ca. 10 bis 15 Stämmchen heran. Von diesen gewinnt man
im nächsten Frühjahr Büschel durch Abstechen und pflanzt die fehlende
Reihe mit dem Setzpflug nach. Die Ballen wachsen auf guten Böden schnell
heran und bereits nach vier Jahren ist ein Ertrag von 10 bis 15 Tonnen
pro Hektar erwartbar.
Eine Pflege ist nach zwei Jahren nicht mehr notwendig.
Die Ernte erfolgt im Feber oder März mit dem Maishäcksler.
Die Deckung bleibt also in der harten Jahreszeit stehen.
Bei der Rodung werden die Ballen vom Bagger umgerückt, mit der Baggerschaufel
zerstochen und die Büschel oder Rhizome gut verkauft. Im Prinzip verlangt
der Miscanthus zwar einen guten Boden, für Deckungsaufgaben genügen aber
auch mittlere Bonitäten. Vorsicht ist bei ständiger Nässe geboten; kurzweilige
Überflutungen spielen jedoch keine Rolle. Dauer der Anlage: bis 20 Jahre.
Ein großer Vorteil ist seine Standorttreue. Eine Miscanthusdeckung wird
von allen Wildarten angenommen.
Sweet Sioux (Kreuzung Sudangras und
Mohrenhirse) und Besenhirse
Reinsaat und in Mischung mit Mais
Sweet Sioux und Besenhirse sind hervorragende Äsungs- und Deckungspflanzen.
Bei spätem Anbau und starken Niederschlägen auf offenen, windexponierten
und dazu guten Böden neigen beide Arten zum Liegen. Sowohl Äsung als auch
Deckung verlieren dann an Effizienz. Etwas mühevoller im Anbau, aber stabil
im Winter ist eine reihenweise Mischung mit Mais, wie sie von Oberjäger
Gruber im Genossenschaftsjagdrevier Nickelsdorf gerne angebaut wurde.
Sweet Sioux wird locker angebaut, wird früher „fängisch“ als eine dichte Saat. Das gilt auch für Senf und andere Winterbegrünungen. Letztere werden übrigens für verschiedenlange Zeitpannen angebaut und stehen so auch als Winterdeckung zur Verfügung.
Energiewald in Minirotation
Als Alternative zu Miscanthus überlegen Betriebe mit Trocknungsanlagen
den ebenfalls in den 70er-Jahren erfundenen Kurzumtrieb (7 Jahre) mit
Pappel- und Weidenstecklingen. Natürlich ist auch dazu ein guter Boden
notwendig, aber es entstehen sehr bald (Verband 1 x 0,30 m) permanent
dichte Deckungen. Auch hier ist eine Beteiligung durch Jäger gern gesehen
(Arbeit und Zaun). Nach dem ersten Jahr sind keine Wildschäden zu erwarten.
LJM-Stv. DI Helmut RINGL