Staupe bei Füchsen und Mardern
Bereits Ende September 2001 konnten Staupeinfektionen für ein Dachssterben im Bezirk Bruck a.d. Mur verantwortlich gemacht werden. In den letzten beiden Jahren sind vermehrt Fälle bei Füchsen und Mardern aufgefallen, die bei der nervalen Verlaufsform auch einen Tollwutverdacht hervorrufen können. Univ.Doz. Dr. Armin Deutz informiert über diese fast vergessene Krankheit. Zudem wird auch auf eine erhöhte Infektionsgefahr für Hunde hingewiesen.
Staupe ist eine weltweit verbreitete Viruskrankheit (Morbilliviren aus der Familie der Paramyxoviridae) die hauptsächlich bei Hunden („Hundestaupe“) auftritt. Unter Wildtieren erkranken überwiegend Dachs-, Baumund Steinmarder, Fuchs, Iltis, Wiesel und Fischotter sowie Wolf und Waschbär. In den letzten Jahren gab es Massensterben bei Seehunden infolge von Staupeinfektionen in der Nordsee.
Infektionswege
Zwischen dem Auftreten der Staupe bei Wildtieren und bei Hunden existiert
ein Zusammenhang, es kann sich aber auch ein eigenständiger Infektionszyklus
unter Wildtieren aufbauen. Gegen Staupe geimpfte Hunde sind geschützt,
ungeimpfte Hunde können erkranken und die Erreger natürlich auch wieder
an Wildtiere abgeben. Steinmarder als Kulturfolger, aber auch Füchse halten
sich oft in unmittelbarer Nähe zu menschlichen Siedlungen auf. Das Staupevirus
wird von infizierten Tieren mit Sekreten (Speichel, Nasen- und Augensekret)
und Exkreten (Kot, Harn) ausgeschieden. Im Speichel, im Nasensekret und
im Augensekret erscheint der Erreger bereits fünf Tage nach der Infektion,
im Harn einige Tage später.
Die Übertragung
Die Übertragung der Staupe erfolgt teils durch Direktkontakt mit dem Nasen
und Augensekret erkrankter Tiere (Belecken, Tröpfcheninfektion) oder indirekt
über Futter, Wasser oder Gegenstände, die mit Sekreten oder Ausscheidungen
erkrankter Tiere verunreinigt sind. Bei beiden Möglichkeiten spielt die
Übertragung vom Alttier auf die Jungen eine große Rolle. Junge Tiere sind
empfänglicher als ältere Tiere. Als Eintrittspforten gelten die Schleimhäute
der oberen Luft- und Verdauungswege. Bei Dachsen oder auch bei Füchsen
ist die Infektionsgefahr durch das enge Zusammenleben im Bau besonders
hoch. Das Staupevirus ist gegenüber tiefen Temperaturen relativ widerstandsfähig,
bei Zimmertemperaturen verliert es nach 15 Stunden seine Virulenz.
Symptome, Krankheitsverlauf
Die Staupe ist eine fieberhafte, meist akut verlaufende Infektionskrankheit
mit vier möglichen Krankheitsbildern: Am häufigsten ausgeprägt sind Erkrankungen
des Atmungsaktes mit eitriger Nasenentzündung, Mandelentzündung und Husten
infolge einer Lungenentzündung bzw. Bronchitis sowie Augen- und Nasenausfluss,
verklebte Augenlider und verstopfte Nasenlöcher. Weiters gibt es eine
Magen-/Darmform der Staupe, bei der Erbrechen, Darmentzündung und Durchfall
auftreten. Bei der Hautform kommt es zu Rötungen, Bläschen und Pusteln
am Unterbauch sowie an den Schenkel- und Ohreninnenflächen. Die meist
chronische nervale Form ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt von Symptomen
wie Muskelzittern, Bewegungsstörungen, Zittern, epileptische Anfälle,
Zwangsbewegungen, Lähmungen und Wesensveränderungen, wie auch Verlust
der Scheu vor Menschen, was dann in vielen Fällen einen Tollwutverdacht
verursacht. Eine Sonderform als Spätfolge der Staupe stellt beim Hund
und bei einigen Pelztieren die „hard pad disease“ dar, bei der es zu Hautverdickungen
der Pfotenballen und des Nasenspiegels kommen kann. Die Dauer der Erkrankung
schwankt je nach Verlaufsform von einigen Tagen bis zu etwa drei bis vier
Wochen. Häufig wird der Krankheitsverlauf durch bakterielle Sekundärinfektionen
verschlimmert. Eine Ausheilung klinisch erkrankter Tiere dürfte nur selten
vorkommen, die Sterblichkeitsrate ist bei jungen Wildtieren sehr hoch.
Es wird vermutet, dass ältere Tiere auch ohne auffallende klinische Erscheinungen
durchseuchen können.
Behandlung, Vorbeuge
Behandlungsmaßnahmen bei frei lebenden Wildtieren sind nicht durchführbar.
Frettchen oder Pelztiere in Farmen sollten vorbeugend geimpft werden.
Bei Hunden, besonders Jagdhunden und Hunden auf Bauernhöfen, ist auf einen
entsprechenden Impfschutz gegen Staupe zu achten. Staupe und Parvovirose
sind jene Infektionskrankheiten des Hundes, die nach wie vor die größte
klinische Behandlung besitzen. Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser
Hundeseuche zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich
verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Hundestaupefällen
beobachtet, dies nicht zuletzt, weil Marder und Füchse als Virusreservoire
gelten. Von Seuchenzügen unter Hunden wurde in der Schweiz, in Frankreich,
in Deutschland sowie in Finnland berichtet. Nicht zuletzt wegen
der Staupe ist auf eine entsprechende Grundimmunisierung bei Welpen und
regelmäßige Auffrischung (bei Staupe zumindest alle zwei Jahre) zu achten.
Staupeinfektionen können auch im Burgenland nicht ausgeschlossen werden. Der Nachweis fehlt mangels solcher Untersuchungen.
Univ.Doz. Dr. Armin DEUTZ