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Borreliose und Babesiose

Wie jedes Jahr im Frühsommer ist jetzt die erste Zeckenwelle in vollem Gange. Und wie immer um diese Jahreszeit bringen die Hunde eine Vielzahl an Zecken von ihren Spaziergängen mit nach Hause. Seit das Wissen auch in der breiten Bevölkerung über die gesundheitliche Gefährdung durch Zeckenstiche beim Menschen, vor allem durch die FSME oder die Borreliose, wächst, steigt auch die Angst über eine mögliche Gefährdung der Hunde durch die entsprechenden Erreger. Aufgrund des warmen Winters wurden heuer schon im Jänner die ersten Zecken gesehen. Die von Zecken übertragenen Infektionen scheinen also schon fast ganzjährig unsere Hunde, insbesondere natürlich Jagdhunde, zu bedrohen.

Während über eine mögliche Infektion von Hunden und Katzen durch FSME noch diskutiert wird, sind die beiden anderen Krankheiten, die Borreliose und Babesiose, mittlerweile mehr als gängig im Burgenland. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Babesiose der Hunde zu lenken. Das ist eine durch Einzeller hervorgerufene Infektionskrankheit bei Hunden, die eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit eine Blutarmut (Anämie) verschiedenen Grades hervorruft. Die Erkrankung verläuft meistens akut mit Fieber, Zerstörung der roten Blutkörperchen oder neurologischen Symptomen und endet ohne Behandlung zumeist binnen weniger Tage tödlich.

Die Übertragung erfolgt durch Zecken. Während die Babesiose bis in die 70er-Jahre vor allem eine „Reisekrankheit“ war,kommt sie mittlerweile im ganzen Burgenland, besonders rund um den Neusiedlersee, vor.

Babesien sind Einzeller, die als Parasiten die roten Blutkörperchen befallen. Ein Abschnitt ihres Vermehrungszyklus findet im Zwischenwirt Zecke statt. Die Babesiose der Hunde wird durch zwei Arten hervorgerufen. Das natürliche Vorkommen der Babesiose (Endemiegebiet) innerhalb Europas beschränkte sich bis in die 70er-Jahre auf Südeuropa, sodass die Erkrankung in Österreich nahezu ausschließlich bei Hunden auftrat, die in den Urlaub in den Mittelmeerraum mitgenommen wurden. Mit der Ausbreitung der Auwaldzecke auf ganz Mitteleuropa tritt die Krankheit endemisch auch in Österreich verstärkt auf: Etwa ein Drittel der erkrankten Hunde hatte niemals einen Auslandsaufenthalt.

Neben der Übertragung durch Zecken ist eine Infektion über eine Bluttransfusion oder durch Blut-Blut-Kontakte z.B. bei Beißereien möglich. Auch eine vertikale Übertragung von der Hündin auf ihre Nachkommen wird vermutet.

In Österreich herrscht gegenwärtig die akute Form vor. Sie zeigt sich nach einer Inkubationszeit von einer bis drei Wochen nach dem Zeckenstich in gestörtem Allgemeinbefinden, Fieber, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Ein bis zwei Tage später kommt es aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen zu Blutarmut und rostbraunem Urin, gegebenenfalls auch Gelbsucht. Auch eine cerebrale Form mit epilepsieähnlichen Anfällen, Bewegungsstörungen und Lähmungen ist möglich. Die akute Form endet unbehandelt binnen weniger Tage mit dem Tod durch Atemnot, Anämie und Nierenversagen.

Der seltene perakute Verlauf endet ohne deutliche Symptome binnen ein bis zwei Tagen tödlich.

Die klinischen Erscheinungen hängen stark von der Schwere der Erkrankung ab. In den klassischen Endemiegebieten (Südösterreich, Ungarn, Norditalien) sind die Jungtiere aufgrund einer hohen Durchseuchung im Allgemeinen durch Antikörper aus dem Kolostrum der Hündin geschützt und werden zu immunen Überträgern. Hier dominiert die chronische oder subklinische Infektion. Sie zeigt sich unspezifisch in intermittierendem Fieber, Fressunlust, Übelkeit und allgemeiner Schwäche. Da die Krankheit ohne Behandlung schnell tödlich endet, sollte nur beim leisesten Verdacht unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden.

Eine mindestens so gängige, wenn auch nicht so lebensbedrohliche Krankheit ist die Borreliose. Das dominierende klinische Bild, das die Hunde zeigen, sind wechselnde Lahmheiten. Diese Lahmheiten entwickelten sich manchmal erst zwei bis fünf Monate nach Infektion über die Zecken. Dabei zeigen die Tiere zuerst leichte Lahmheiten, die innerhalb von drei Tagen zunehmen und nach vier Tagen wieder verschwinden. Bei einigen Tieren kommt es zu einer leichten Schwellung sowie einer lokalen Temperaturerhöhung. Häufig haben die Hunde Fieber (39,5 - 40 °C) und sind apathisch. In weiterer Folge kommt es in Schüben immer wieder zu Lahmheiten auf unterschiedlichen Extremitäten, in verschiedenen Gelenken. Es ist meistens sehr langwierig und manchmal überhaupt nicht möglich, trotz intensiver Therapie die Erreger nachhaltig zu beseitigen.

Auch hier ist im Zweifelsfall unbedingt der Tierarzt aufzusuchen, da der Hund sofort antibiotisch behandelt werden muss.

Vielfach hört man die Frage, ob man seinen Hund „gegen Zecken“ impfen lassen soll. Es gibt jedoch keine Impfung „gegen Zecken“, sondern allenfalls gegen diese beiden von Zecken übertragenen Krankheiten. Allerdings sind die beiden Impfungen nicht ganz unumstritten, da sie keinen 100%igen Schutz vor einer Erkrankung bieten. Die wichtigste Prophylaxe ist das Absuchen des Tieres nach Zecken nach jedem Spaziergang und deren sofortige Entfernung. Eine medikamentelle Prophylaxe gegen Zecken ist sehr sinnvoll, da sie auch weitere durch Zecken übertragene Erkrankungen verhindert. Auch dabei sollte man sich unbedingt mit seinem behandelnden Tierarzt beraten, da nur sehr wenige der angebotenen Mittel tatsächlich Zecken abwehren.

Dr. Gabriele VELICH
Amtstierärztin

Burgenländischer Landesjagdverband, Bahnstraße 43/2/8, A-7000 Eisenstadt
Telefon: 02682/66 878, Fax: 02682/66 878-15, E-Mail:info@bljv.at
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