Der Österreichische Jagdgebrauchshunde- Verband (ÖJGV) …… seine Aufgaben, seine Ziele
Der Österreichische Jagdgebrauchshunde- Verband (ÖJGV) ist die führende
Organisation im österreichischen Jagdhundewesen und vom Österreichischen
Kynologenverband (ÖKV), dem Dachverband für das gesamte Hundewesen in
Österreich, per Vertrag mit den Agenden des Jagdhundeprüfungswesens betraut.
Dazu gehört auch die Aus- und Weiterbildung des dazu erforderlichen Leistungsrichter
Kollegiums.
Oberstes Ziel des ÖJGV ist es, die Zucht und Verbreitung von reinrassigen,
in Österreich und von der Federation Cynologique International (FCI) anerkannten
Jagdhunderassen zu fördern und ihre Erziehung, Abrichtung und Führung
zu pflegen und zu unterstützen.
Der ÖJGV erreicht seinen Zweck durch den Zusammenschluss aller jagdkynologischen
Vereine und in Zusammenarbeit mit jagdlichen Vereinigungen und Organisationen
(z.B. Landesjagdverbände) in Österreich.
Im ÖJGV sind rund 14.000 Mitglieder erfasst, die in 25 Zucht- und 12 allgemeinen
Prüfungsvereinen organisiert sind.
Der ÖJGV ist also in erster Linie für die Organisation, Überwachung und
Ausrichtung des Jagdhundeprüfungswesens zuständig und verantwortlich.
Für die Jagdhundezucht nur indirekt, da wir mit unseren Ergebnissen von
Anlagen- und Leistungsprüfungen eine der Hauptgrundlagen für die Zuchtauslese
liefern.
Die Überwachung der Zucht und Zuchtordnungen obliegt dem Zuchtreferat
des Österreichischen Kynologenverbandes (ÖKV). Die Rassehunde-Zuchtvereine
sind für die Zucht von Hunden einer oder mehrerer Rassen, die im Österreichischen
Hundezuchtbuch (ÖHZB) eingetragen sein müssen, verantwortlich. Sie erstellen
die Zuchtordnung und überwachen deren Einhaltung, betreuen ihre Mitglieder,
halten Hundeführerkurse ab und führen rasseeigene Prüfungen durch.
Die Allgemeinen Prüfungsvereine fördern ebenfalls das Jagdhundewesen durch
Abhaltung von Hundeführerkursen und Prüfungen, welche für verschiedene
Hunderassen offen sind.
Eine der wichtigsten Dokumentationen des ÖJGV ist das „Österreichische
Leistungsbuch für Jagdhunde (ÖLBJ)“. In dieses werden einerseits Hunde
eingetragen, welche die höchstwertige Prüfung ihrer Rasse bzw. Rassengruppe
(Gebrauchs-, Haupt- oder Vollgebrauchsprüfung) oder eine der Sonderprüfungen
(Bringtreue-, Lautstöber-, Verlorenbringer-, Schweißsonderprüfung oder
Schweißprüfung ohne Richterbegleitung) bestehen.
Andererseits werden Hundeführer, die erfolgreich eine Gebrauchs-, Haupt-
oder Vollgebrauchsprüfung absolviert haben, im ÖLBJ festgehalten und mit
dem „Jagdhundeführer- Abzeichen (JHFA)“ ausgezeichnet.
Für sieben erfolgreiche Führungen, wobei mit einem Hund nur zwei Stufen
des JHFA erreicht werden können, wird der Titel „Meisterführer (Mf.)“
verliehen.
Für 14 erfolgreiche Führungen erreicht man das Mf.-Abzeichen in Silber,
für 21 jenes in Gold. Weiters verleiht der ÖJGV besonders erfolgreichen
Hunden den Titel „Österreichischer Jagdhunde- Prüfungssieger (ÖJPS)“.
Der ÖJGV veranstaltet Verbandsprüfungen (Gebrauchs-, Haupt-, Vollgebrauchsund
Schweißsonderprüfungen) in Zusammenarbeit mit einem Verbandsverein und/oder
einem Landesjagdverband.
Seit dem Jahr 1981 ist die Schweißsonderprüfung des ÖJGV (SSP) quasi der
jährliche Abschluss der Prüfungssaison. Der ÖJGV veranstaltet in der Woche
um den Nationalfeiertag, den 26. Oktober, eine für alle Jagdgebrauchshunderassen
offene Schweißsonderprüfung, die jährlich in einem anderen Bundesland,
in Zusammenarbeit mit einem Verbandsverein ausgerichtet wird. Sie hat
den Zweck, Jagdhunden der verschiedensten, im ÖJGV zusammengefassten Rassen
die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten in dieser jagdlich so wichtigen
Arbeit „nach dem Schuss“ zu demonstrieren. Jeder Zuchtverein kann zu dieser
Prüfung einen Hund der von ihm betreuten Rasse(n) melden. Der ÖJGV unterstützt
nicht nur die Prüfungen seiner Verbandsvereine, er fördert auch andere
Veranstaltungen und subventioniert Hundeführer, die in einer Mannschaft
Österreich bei internationalen Prüfungen im Ausland vertreten. Ferner
die Vorstellung der Jagdhunderassen bei Veranstaltungen wie Landes- und
Bezirksjagdtagen, Messen, Jagdausstellungen, etc.
Das umfangreiche Prüfungswesen auf dem jagdkynologischen Sektor betreuen derzeit 1.077 Leistungsrichter. In Ausbildung sind 196 Richter-Anwärter. Die Ausbildung der Leistungsrichter-Anwärter und Fortbildung der Leistungsrichter wird gemeinsam mit dem Richterreferat des ÖJGV und den Referenten der Verbandsvereine, in der Kommission für Aus- und Weiterbildung (KAW) umgesetzt. Alle Rechte und Pflichten der Richter sind in der Leistungsrichter-Ordnung geregelt, welche für die LR aller Rassen verbindlich ist. Zur Generalversammlung wird u.a. alljährlich eine aktuelle Richterliste mit allen Leistungsrichtern und Leistungsrichter- Anwärtern aufgelegt.
Zur Unterstützung der Arbeit des Vorstandes wurde je eine Kommission für Vorstehhunde und eine für Bracken gebildet. Die Kommissionen sind ein beratendes Gremium, welches Fachfragen dieser Rassegruppen bearbeitet und in beschlussfähige Form bringt. So werden zum Beispiel alle 20 Vorstehhunderassen nach einer von der Vorstehhundekommission erarbeiteten und vom ÖJGV herausgegebenen Prüfungsordnung geprüft. Auch für die Brackenrassen gibt es eine gemeinsame Prüfungsordnung. Im Jahr 2004 wurde eine „Kommission für Aus- und Weiterbildung der Leistungsrichter und Leistungsrichter-Anwärter (KAW)“ gegründet. Zweck dieser Kommission ist die rasche und direkte Wissensvermittlung auf dem Gebiet des Bildungs- und Informationswesens an unsere Leistungsrichter und LR-Anwärter.
Sie sehen also, hier steckt eine Menge Arbeit dahinter, welche von allen Funktionären des ÖJGV und seiner Verbandsvereine ehrenamtlich verrichtet wird. Die Jagd und vor allem die Jagdausübung, waren in den vergangenen Jahrzehnten einem starken Wandel unterworfen. Die Reviere sind kleiner geworden, die Jäger in den Jagdgesellschaften mehr, das Auto ist allgegenwärtig. Der Jagdhund heutiger Prägung muss ein hohes Maß an Führerbindung haben, er soll nicht zu weit jagen, nicht zu lange wegbleiben, sonst ist das Auto mit dem Herrl nicht mehr da! Dem pirschenden Jäger konnte der Hund leicht auf seiner Spur folgen, beim Auto ist das nicht mehr so einfach möglich oder hat oft schlimme Folgen.
Unser oberstes Ziel ist es, der Jägerschaft einen brauchbaren Jagdbegleiter zur Seite zu stellen.
Eine oft schwierige Aufgabe, welche nur mit Unterstützung der Jägerschaft zur Zufriedenheit aller bewältigt werden kann. Unterstützen sie uns weiterhin mit der Bereitstellung ihrer Reviere für die Prüfungen, geben sie vor allem Jungjägern die Möglichkeit, ihren Hund auszubilden und in der Praxis einzuarbeiten. Wünschen würden wir uns auch den Einbau einer praxisnahen Lerneinheit bei Jungjägerkursen. Sie sollte die Vorstellung der bei uns gängigen Jagdhunderassen und ihre Arbeitsgebiete, verbunden mit einigen Anleitungen für die Ausbildung und Abrichtung, umfassen. Auch die Entscheidungsfindung, welcher Hund passt zu meinem Revier, welcher Hund passt zu mir, würde damit erleichtert.
Wie komme ich zu einem Jagdhund, was muss ich beim Erwerb eines Jagdhundes beachten?
Vorausschicken möchte ich, dass die Jagdhundezucht in Österreich, auch international gesehen, einen sehr hohen Standard hat. Die Zuchtvereine treffen durchwegs eine rigorose Auslese bei den Zuchttieren hinsichtlich ihrer jagdlichen Anlagen, ihres Charakters (Wesen) und ihrer Gesundheit. Kontaktadressen der Zuchtwarte findet man in der Jagdpresse. Zudem haben so gut wie alle Vereine eine Homepage, aus der man unbeeinflusst alle wissenswerten Daten der Rasse abfragen kann und selbstverständlich auch ein Welpenangebot. Besuchen Sie den Züchter, schauen Sie sich die Hündin und auch die Welpen an. Das Benehmen der Hündin und der Welpen, die Haltung und Pflege des Wurfes sagt viel aus und ist ein wesentlicher Faktor für die charakterliche Weiterentwicklung des Hundes.
Vergewissern Sie sich, dass der Hund aus einer ÖKV/FCI Zucht stammt, Sie finden die entsprechenden Logos der Verbände auf den Ahnentafeln.
Ein gut sozialisierter Welpe muss auf die Menschen zugehen, darf nicht verschreckt und scheu wirken. Er verbringt schließlich einen seiner wichtigsten Lebensabschnitte - die Prägungsphase (3. bis 7. Woche) beim Züchter. Versäumnisse und Fehler in dieser Zeit, durch falsche Haltung und Aufzucht, sind sehr schwer gut zu machen und hinterlassen bleibende Defekte im Wesen und Verhalten des Hundes. Informieren Sie sich auf jeden Fall bei erfahrenen Fachleuten.
Hunde aus dem Ausland
Wenn man sich einen Jagdhund in Ungarn oder einem anderen Nachbarstaat kauft und ihn als Pflichthund in einem Jagdrevier im Burgenland einsetzen will, muss der Zuchtverein FCI-Mitglied sein. Das entsprechende Logo findet man auf der Ahnentafel. Das sogenannte „EXPORTPEDIGREE“ ist für Importe aus EU-Ländern und deren Eintragung ins Österr. Hundezuchtbuch (ÖHZB) des Österr. Kynologenverbandes (ÖKV) nicht mehr erforderlich! Der Hund muss eine Kennzeichnung (Chip oder Tätowierung) und die erforderlichen Schutzimpfungen, welche in einem Impfpass (EU-Heimtierausweis, blau) eingetragen sind, nachweisen können.
Trotzdem liebe Jäger, tun Sie sich die zusätzliche „Belastung“, welche die Haltung eines Jagdhundes eben mit sich bringt, an. Er wird es ihnen sicher mit seiner Hilfe bei der Jagd lohnen. Zudem ist ein gut geführter Jagdhund nicht nur eine Belastung sondern auch eine Bereicherung für die Familie des Jägers.
Wenn wir den immer wieder bemühten Slogan „Jagd ist aktiver Tierschutz“ ernst meinen, muss uns auch bewusst sein, dass eine weidgerechte Jagdausübung, im Sinne des Tierschutzes, nur mit einem gut ausgebildeten Jagdhund möglich ist!
Darf ich zum Abschluss unsere Altvorderen zitieren, wie hieß es da? „Jagd ohne Hund ist Schund“ Ich glaube, dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.
In diesem Sinne Weidmannsheil und Ho-Rüd-Ho
Mf. OFö. Ing. Alexander PRENNER
Präsident des ÖJGV