Die Decke –
Wärmeisolierung, Tarnung, Sinnesorgan, Strahlenschutz,
Spiegel der Gesundheit
Die Ausstattung und Farbe der Decke, das Kleid aus Millionen Haaren, ist ästhetisch und vielfältig.
Biologie der Decke
Die Decke besteht rein biologisch aus toten, verhornten Zellen, die hauptsächlich aus Keratin, einem langkettigen Eiweiß bestehen. Diese Hornfäden sind mit einer Wurzel in der oberen Hautschicht verankert, stehen von der Haut ab und bilden in millionenfacher Ausgabe ein farbiges Haarkleid.
Die Decke unseres Wildes kann mehrere tausend Haare je Quadratzentimeter dicht sein. Zwischen und in den einzelnen Härchen befindet sich Luft. Mehr Luft zwischen den Haaren bedeutet eine bessere Wärmedämmung. Winzige Muskeln können die Haare der Decke, wenn es kalt ist, regelrecht zu Berge stehen lassen. Jedes Härchen wird an der Wurzel von Blutgefäßen, Nerven und Muskeln versorgt. Es befinden sich dort auch Talg und Schweißdrüsen. Die Einzelhaare leben einige Wochen bis Jahre und wachsen täglich Bruchteile von einem bis mehreren Millimetern.
Die Decke unserer Wildtiere setzt sich aus vier Haartypen zusammen:
Die intakte Decke schirmt den Körper nach außen ab und bietet ihm Verletzungs-, Strahlungs- und Temperaturschutz.
Decke ist nicht gleich Decke
Decken und Felle unterscheiden sich neben verschiedenen Längen und Funktionen auch in der Färbung. Die Farbe eines Haares wird bestimmt durch die Lichtbrechung und die eingelagerten Farbpigmente. Während die Haarfarbe beim Menschen hauptsächlich ästhetische Funktion hat, dient sie beim Tier als Strahlenschutz und zur Tarnung im Gelände.
Haarwechsel – Verfärben
Wildtiere besitzen ein Sommer- und Winterhaarkleid. Zum Wechsel schnüren die aus der Haarzwiebel wachsenden Zellen des neuen Haares das alte Haar ab und schieben es vor sich her, aus der Haartasche heraus. Das Sommerhaarkleid ist bei den meisten Wildarten heller und kürzer und besitzt weniger dichte Wollhaare. Beim Winterhaarkleid machen die Grannenhaare die Hauptmasse aus.
Rot-, Reh- und Gamswild wechseln zweimal jährlich das Haarkleid. Beim Steinwild kommt es im Frühjahr zu einem völligen Haarwechsel, im Herbst werden nur die Wollhaare dichter und länger. Beim Gamswild werden die Leithaare des Aalstrich in der Rückenlinie („Gamsbart“), die Pinselhaare und jene des Hodensackes im Herbst nicht gewechselt.
Nicht nur die Jahreszeit, sondern auch das Alter wirkt sich auf die Farbe der Decke aus. Wildschweine werden mit Streifen geboren. Erst mit drei bis vier Monaten bekommt die Schwarte die Farbe der Erwachsenen.
Wildtiere ändern je nach Jahreszeit nicht nur die Beschaffenheit ihres Felles, auch die Färbung. Hermelin, Schneeschuhhasen und Polarfüchse verlieren zum Winter die braunen Haare und werden weiß. Die weiße Farbe bietet Tarnung, andererseits bessere Isolation, da anstelle von Farbpigmenten vermehrt Luft in den Haaren ist.
Andererseits wird durch die dunklere Färbung der Winterdecke bei unserem Schalenwild die Wärmeaufnahme bei Sonnenschein erhöht und dadurch der Energiebedarf, der über die Nahrungsaufnahme gedeckt wird, verringert.
Die Decke ist als ein Spiegel der Gesundheit zu betrachten!
BJM-Stv. Dr. Charlotte KLEMENT Veterinärreferentin des BLJV