Inhalt und Herkunft der Wildfuttermittel
Dem Jäger sei grundsätzlich unterstellt, dass er sein Wild in bester Absicht füttert und ihm damit Gutes tun will.
Es kann nicht angenommen werden, dass der Weidmann viel Geld zum Kauf des Wildfutters aufwendet und dieses oft unter großen Mühen bei den Fütterungen vorlegt, um absichtlich Schäden zu provozieren oder die Tiergesundheit zu gefährden.
Deswegen ist anzunehmen, dass der aufgeschlossene, ernsthafte Jäger sich bestmöglich informiert, was er füttern darf, kann und soll.
Warum wo gefüttert wird, hängt nicht zuletzt von der Wildart ab.
Bei Rot- und Schwarzwild soll mit der Futtervorlage in erster Linie eine
Wildlenkung herbeigeführt werden, um Schäden in der Land- und Forstwirtschaft
zu minimieren.
Anders beim Rehwild, das bei un - zähligen Fütterungen praktisch un - eingeschränkt gefüttert wird und wo auch die Wildlenkung im Hintergrund steht. Dort neigt man eher dazu, grobe Fehler bei der Fütterung zu begehen.
Insgesamt birgt jede Form der Fütterung aber auch einige Risiken. Der Wildstand wird eher zunehmen, und damit kann auch die Gefahr von Wildschäden zunehmen.
Bei Massierungen von Wild steigt der Infektionsdruck von Krankheiten bzw. Parasiten, und die Futtervorlage an ungeeigneten Stellen kann zu einer negativen Wildlenkung führen.
Grundsätze der Schalenwildfütterung
Schwarzwild ist, gleich wie der Mensch, ein Allesfresser.
Hier kann bei der Auswahl der Futtermittel – abgesehen von der Qualität
– nicht viel passieren.
Rot- und Rehwild hingegen sind Wiederkäuer, die zwar auch alles „fressen“
können, das aber nicht immer vertragen.
Leicht verdauliche, eiweißreiche Futtermittel sind wenig geeignet, strukturreiche
Futtermittel sind gefragt.
Früchte und Samen (Getreide, Hülsenfrüchte, …) sind daher in großen Mengen
bedenklich, Pflanzen und Pflanzenteile (Luzerne, Wiesenheu, …) sind unbedenklich.
Wildtier ist kein Haustier
Die Fütterung der Wildwiederkäuer unterscheidet sich grundsätzlich von
jener der Haustiere, was ein Exkurs in die landwirtschaftliche Nutztierhaltung
zeigen soll:
Eine Milchkuh bekommt das beste Futter in der Zeit, in der sie die meiste Milch gibt. Das ist die Zeit kurz vor dem Abkalben und die Monate danach. Wenn sie trächtig ist, aber keine Milch mehr gibt, wird sie erst recht mager gefüttert.
Beim Wildtier, etwa einer Rehgeiß, ist das genau umgekehrt. In der Setz- und Säugezeit bekommt sie überhaupt kein Wildfutter, in der „Trockenstehzeit“ hingegen schon. Allein deshalb wäre es völlig kontraproduktiv, das im Verhältnis billige „Milchviehfutter“ im Winter an Rehe zu verfüttern.
Im Winter ist ein eher mageres Erhaltungsfutter gefragt, wie es auch die Natur von sich aus bietet. In der Setz- und Säugezeit hingegen (ab Mai) findet das Mutterwild frische, eiweißreiche Äsung im Revier.
An das Wildbret denken
Alles in der Natur bewegt sich in Kreisläufen. Was dem Wildtier gefüttert
wird, lagert sich in dessen Fleisch ab und gelangt so in den Organismus
des Menschen.
Wenn man von den im Verhältnis wenigen attraktiven Trophäenträgern der Jagdstrecke absieht, stellt die Vermarktung des Wildbrets eine wohl wesentliche Säule der Jagdausübung dar.
Über die Schiene Wildbret wird immer noch die beste und aufrichtigste Art der Öffentlichkeitsarbeit für die Jagd zu machen sein. Hier findet sich der Jäger im selben Boot mit dem Schweine oder Hühnerhalter: Wenn er das Wildfleisch für den menschlichen Verzehr bereitstellen will, muss er sich an die Grundsätze der Lebensmittelsicherheit halten.
Der Jäger muss daher dokumentieren, was er füttert. Und er darf keine verbotenen oder fraglichen Stoffe verfüttern. Medikamente, in welcher Form auch immer, dürfen an Wildtiere nicht verfüttert werden.
Das Verfüttern von gentechnisch veränderten Pflanzen oder Pflanzenteilen wird wohl nicht ins Bild passen, wenn man „natürliches“ Wildbret anbieten will. Zudem suggeriert allein schon das Wort „Wildbret“, dass es sich dabei um ein ökologisch verträgliches Naturprodukt handelt.
Futtermittel aus fremden Erdteilen über Tausende Kilometer heranzukarren, wird damit auch nicht vereinbar sein.
Quelle: Jagdzeitschrift „Der Anblick“