Krankhafte Verändungen an der Decke
Die genaue Kenntnis über Winter und Sommerhaarkleid, über Haarwechsel und das Verfärben, erlaubt uns erst krankhafte Veränderungen zu diagnostizieren.
Das Rehwild sammelt im Herbst Reserven an und bewältigt mit dieser Energie den Haarwechsel. Hauptaufgabe im winterlichen Energiehaushalt ist die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur. Während des Haarwechsels sind Rehe wetterempfindlich. Warmes, sonniges Herbstwetter fördert die Rehwildaktivität; kühles, regnerisches Wetter drosselt diese. Der Frühjahrshaarwechsel des Rotwildes geht langsamer vor sich als der unauffällige Herbsthaarwechsel. Alte Tiere, die Kälber führen, werden im Frühjahr zwei Wochen später mit dem Haarwechsel fertig als Schmaltiere und Gelttiere.
Beim Schwarzwild fallen im späteren Frühjahr flächenweise Winterborsten und Unterwolle aus. In dieser Zeit sehen die Sauen scheckig, völlig nackt und dadurch sehr hell aus. Führende Bachen sind im Frühjahr und Herbst später im Haarwechsel als andere Stücke.
Allgemein kann gesagt werden, dass älteres Wild schneller den Haarwechsel vollzieht als jüngeres. Auch bei kranken und verletzten Tieren kann der Haarwechsel verspätet auftreten. In günstigen Jahren kann der Zeitpunkt des Haarwechsels durch Ernährung und Witterung etwa zwei Wochen früher, in ungünstigen Jahren zwei Wochen später einsetzen.
Krankheiten und deren Ursachen
Läuse:
Im Gegensatz zu den Haarlingen haben Läuse einen schmalen Kopf, einen
breiten Brustkorb, einen einziehbaren Stechrüssel und sie sind Blutsauger.
Läuse sind leicht am toten Tier festzustellen, da sie kaum abwandern.
Die Ansteckung erfolgt bei engem Kontakt durch Überkriechen.
Haarlinge:
Der Kopf der Haarlinge ist breiter als die Brust. Haarlinge ernähren sich
von Schuppen und Hautdrüsensekreten. Sie kriechen am Wild viel umher und
beunruhigen die befallenen Stücke. Die Hautveränderungen sind gering.
Hirschlausfliegen sind drei bis fünf Millimeter lang, bräunlich mit schwarzen Flecken auf dem Hinterleib. Sie befallen auch Rehe, während die Gamslausfliege nur bei Gams- und Steinwild vorkommt. Lausfliegen finden sich häufig in offenen, besonnten Holzschlägen, an stark begangenen Waldwegen, an Wildwechseln, Brunftplätzen und in der Umgebung offener Suhlen. Die Lausfliege bleibt bis Ende November voll flugfähig und überwintert nach Abbrechen der Flügel am Wild.
Dasseln:
Hautdasseln haben eine große Bedeutung beim Schalenwild. Die Dasselfliegen
leben nur wenige Tage, nehmen keine Nahrung auf und legen ihre Eier am
Haarkleid des Wildes ab. Die Fliegen schwärmen im Mai bis Juni und legen
600 bis 800 Eier an den Haaren des hinteren Wildkörpers ab. Die Larven
bohren sich durch die Haut in Richtung Wirbelkanal, verbleiben einige
Monate und verlassen ab Dezember über Dasselbeulen mit Atemlöchern den
Wildkörper. Nach einer Verpuppung im Boden beginnt die neue Fliege ab
Mai zu schwärmen.
Milben:
Milben werden bei Reh- und Rotwild sehr selten beobachtet. Räude tritt
in vielen Gams- und Steinwildpopulationen auf. Die Veränderungen (anfangs
vermehrte Schuppenbildung) finden sich am Haupt und an der Vorderbrust,
auf der Innenfläche der Läufe und am Unterbauch. Die charakteristischen
Räudeflächen vergrößern sich, die Decke verdickt. Es treten flächenhaft
Borken und bis zentimeterdicke Krusten auf.
Fliegenmadenbefall:
Nach Forkel- und Schussverletzungen legen beim Schalenwild Gold- und Schmeißfliegen
ihre Eier in die Wunden. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich von
den Entzündungsprodukten ernähren.
Haarseuche:
Die Haarseuche tritt beim Rehwild auf. Es handelt sich dabei um ein beidseitiges
Abbrechen des Winterhaares an Träger, Brust und Flanken in ca. 0,5 cm
Höhe. Es können auch handtellergroße, völlig unbehaarte verkrustete Flächen
beobachtet werden. Das Wild zeigt ein abnormes Verhalten, verstärktes
Hin- und Herziehen auf engstem Raum, heftiges Beißen an den Flanken, sowie
deutlich verstärkte Empfindlichkeit gegen Geräusche. Es wird angenommen,
dass eine hohe Cadmium-Belastung der Rehe für einen sekundären Zink- und
Kupfermangel und damit für diese Haarerkrankung mitverantwortlich ist.
Hauttumor:
Vor allem beim Reh treten häufig bindegewebige Tumore auf. Die Ursache
dieser als Fibrome bezeichneten gutartigen Geschwülste ist ungeklärt.
Möglichkeiten der Diagnose von Hauterkrankungen:
Was kann der Jäger gegen Hauterkrankungen tun?
Es ist zweckmäßig, einen frühzeitigen Abschuss zu tätigen, um den Infektionsdruck für noch gesunde Stücke zu minimieren.
Außerdem ist die Hygiene im Bereich von Fütterungen einzuhalten.
Im Bereich der Fütterungen sowie in der Brunft oder zwischen Muttertier und Jungwild können Hauterkrankungen leicht übertragen werden.
Wann ist Wildbret bei Veränderungen an der Decke verwertbar?
BJM-Stv. Dr. Charlotte KLEMENT Veterinärreferentin des BLJV