Staupe – (Canine distemper)
Österreich ist seit 28. September 2008 offiziell tollwutfrei, da in den letzten zwei Jahren kein Tollwutfall angefallen ist. Tollwut bleibt trotzdem eine Gefahr für Haus- und Wildtiere. Das sehen wir am Beispiel Friaul; in Friaul gab es im Oktober 2008 nach 17 Jahren zwei tollwutkranke Füchse.
Können einerseits positive Auswirkungen der Tollwutschutzimpfung bei den Füchsen verzeichnet werden, kämpfen wir anderseits bereits mit der Zunahme der Infektionskrankheit Staupe.
Staupe ist eine Infektionskrankheit mit akutem und chronischem Verlauf, die viele Organe betrifft. Hundestaupe tritt außer beim Hund auch bei wildlebenden Fleischfressern wie Fuchs, Dachs und Marder auf. Das Hundestaupevirus ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Es wurde 1905 von Carre nachgewiesen und ist sehr eng mit dem menschlichen Masernvirus verwandt. Im Sonnenlicht kann das Virus bis zu 14 Stunden, in Räumen und an Kleidern einige Tage überleben. Hitze inaktiviert das Virus rasch, nicht jedoch Kälte.
Ansteckung
Die Ansteckung erfolgt durch Aufnahme von Sekreten (Augen-, Nasenausfluss)
oder Exkreten (Kot, Harn) von kranken Hunden oder von klinisch gesunden
Dauerausscheidern. 3 bis 6 Tage nach der Infektion vermehrt sich das Virus
in den Bronchiallymphknoten. Es wird zwischen dem 3. und 6. Tag ins Knochenmark,
zwischen dem 7. und 9. Tag in die Schleimhäute des Atem-, des Verdauungs-
und des Harntraktes verschleppt. Ab dem 9. Tag wird das Nervengewebe befallen.
Erfolgt vom Tier eine starke Immunantwort kann eine Infektion ausbleiben.
Eine Infektion der Welpen während der Trächtigkeit ist möglich und führt
beim Welpen 3 bis 6 Wochen nach der Geburt zu Staupe.
Virusausscheidung
Ab dem 8. Tag sind alle Sekrete und Exkrete infektiös.
Symptome
Das Virus in der Blutbahn löst einen ersten Fieberschub aus. Nach 2 bis
7 fieberfreien Tagen besiedelt das Virus mehrere Organe. Damit kommt es
zu Allgemeinstörungen (Appetitlosigkeit, Mandelentzündung, eitrigem Nasenausfluss)
und erneut hohem Fieber. Augen und Nervensystem erkranken als letztes,
nicht selten wenn Erkrankungen des Atem- und Verdauungs - traktes bereits
abgeklungen sind. Neurologische Symptome treten auch ohne vorhergehende
klinische Symptome auf, eventuell auch erst Jahre nach einer Staupeerkrankung.
Nervöse Staupesymptome umfassen: Kaukrämpfe, epileptische Anfälle, Schluckstörungen,
Lähmungen (tollwutähnlich).
Spätfolgen der Staupe
Hartballenbildung: Verhärtung der Pfotenballen und des Nasenspiegels.
Staupegebiss:
zeichnet sich durch starke Zahnschmelzdefekte aus.
Diagnose
Während der
Fieberschübe ist das Virus in der Blutbahn nachweisbar.
Behandlung
Die
Behandlung erfolgt mit Immunglobulinen, Breitspektrumantibiotika, Elektrolyten,
Vitaminpräparaten.
Prognose
Hunde, bei denen Atem- und Verdauungstrakt
erkrankt sind, überleben zu 50 %. Sehr schlecht ist die Prognose für Hunde
mit nervöser, fieberhafter Staupe. Hunde mit epileptischen Anfällen müssen
eingeschläfert werden.
Prophylaxe
Die konsequente Impfung der Hunde eliminiert
das Stauperisiko fast vollständig. Welpen sollten mit 8 Wochen schutzgeimpft
werden und 3 bis 4 Wochen später eine Nachimpfung erhalten. Mit schutzgeimpften
und damit gesunden Hunden kann der Jäger wesentlich zur Staupefreiheit
von Füchsen, Mardern und Dachsen beitragen.
BJM-Stv. Dr. Charlotte KLEMENT
Veterinärreferentin des BLJV