Das Image der Jagd
aus Perspektive der Bevölkerung
von Dr. Werner Beutelmeyer
Was halten die Österreicher von der Jagd? Wie sind das Image und die Akzeptanz der Jagd? Polarisiert dieses Thema die Bevölkerung oder gibt es durchaus positive emotionale Zugänge zur Jagd und zum Jäger. Aktuelles empirisches Material, also eine eingehende Analyse der Meinungen und Einstellungen der Österreicher zum Weidwerk liegen kaum vor. Das Market-Institut untersuchte deshalb dieses spannende Themenfeld mit einer statistisch repräsentativen österreichweiten Online-Umfrage unter 1.000 Befragten im November 2008.
Vorsichtig, von außen haben wir uns dem Thema genähert. Die ersten Fragen zielten auf die Einstellungen der Österreicher auf die Natur ab. Das Ergebnis lässt nicht an Eindeutigkeit mangeln. Nahezu 90 % der Österreicher sind Natur-Fans, davon sind 41 % besonders Naturbegeisterte. Als weitgehend intakt wird unsere heimische Natur eingestuft. Immerhin befinden 19 %, dass die Naturqualität Österreichs in den letzten Jahren sogar besser geworden ist. Die Mehrheit (51 %) sieht die Natur im Zeitverlauf ziemlich qualitätsstabil. Dieses hohe Bekenntnis zu Österreichs Natur spiegelt sich auch im österreichischen Patriotismus wider. Es wird hier vor allem die herrliche Kulturlandschaft unseres Landes gewürdigt. Mit anderen Worten: Die Liebe zu Österreich entspringt vor allem aus einer hohen Wertschätzung für die intakte Natur im Land, wobei vor allem sauberes Wasser, hohe Luftqualität und der Wald die zentralen Pluspunkte ausmachen.
Aber wo bleibt die Jagd?
Bereits mit der nächsten Frage wollten wir wissen, wer besondere Verantwortung für eine intakte Natur trägt. Kurzum: Der Förs ter und der Landwirt. Der Jäger wird deutlich weniger häufig genannt und rangiert weiter hinten auf der Liste mit (nur) 30 %. Und dennoch gibt es eine grundsätzlich gute Akzeptanz der Jagd in Österreich. Stellt man die direkte Frage: „Sind sie grundsätzlich eher dafür, dass in Österreichs Natur Jagd auf Wild betrieben wird oder sind sie eher dagegen?“, so befürwortet die relative Mehrheit (37 %) die Jagd. Ein knappes Fünftel (18 %) lehnt die Jagd ab. Ein ziemlich großer Teil der Bevölkerung hat keine konkrete Meinung, ist also indifferent. Das ist eine nicht unproblematische Situation, schließlich bedeutet ein Meinungsvakuum eine gewisse Instabilität der Haltung. Mit anderen Worten: Meinungslose könnten sich durchaus im „long run“ den Jagd- Ablehnern anschließen. Andererseits besteht aber auch durchaus die Chance, dieses sehr große Bevölkerungssegment für die Anliegen der Jagd zu gewinnen. Noch mehr Öffentlichkeitsarbeit, noch mehr Transparenz in den Jagdbetrieb hinein, noch mehr konstruktives Mitwirken jedes einzelnen Jägers erfordert dies. Die Befürworter der Jagd finden sich ziemlich gleich verteilt in allen Alterssegmenten. Auffällig gering ist der Anteil allerdings bei Frauen, bei Städtern und besonders bei den Wienern. Spontan begründen die Gegner ihre Haltung mit Argumenten, wie:
Die Befürworter schätzen an der Jagd:
Das konkrete Wissen über die Jagd fällt äußerst dünn aus. Auch zeigt sich recht bescheidener Zugang zum Wildbret. Nur 5 % aller Österreicher essen Wild regelmäßig zu Hause. Und dennoch, Jagd ist unverzichtbar. Das ist die zentrale Meinung über die Jagd. Weiters erfolgt die Jagd in Österreich nach strengen Regeln, hat eine alte Tradition und Wild gehört zu den gesündesten Lebensmitteln. Aber! Das Image der Jäger ist verbesserungswürdig. 42 % aller Österreicher befinden, dass die Jäger in der Bevölkerung einen schlechten Ruf besitzen.
Das Bild der Jagd differiert erwartungsgemäß maßgeblich unter Befürwortern
und Gegnern. Diese Gegenüberstellung zeigt präzise die Angriffs- bzw.
Kritikfläche der Jagdgegner auf. Der „schlechte Ruf“ der Weidwerker bei
den Gegnern der Jagd resultiert vor allem aus dem Trophäenkult, dem Schießen
und aus einer zu geringen Dialogbereitschaft mit den anderen Waldbenützern
(wie z.B. Mountainbikern und Joggern). Und dennoch vermittelt die Jagd
viel Faszinierendes und Interessantes auch an die Nichtjäger. So träumen
57 % der Österreicher davon, einmal eine Wildfütterung zu erleben.
43 % würden gerne die Hirschbrunft beobachten und 36 % würden sich gerne
am Anblick eines balzenden Auerhahns erfreuen.
Die Jägerschaft sollte dem Nichtjäger mehr Einblick in die Arbeit im Jagdrevier geben und mehr darüber reden, was sie alles tut.