Einige
Gedanken zur Herbstjagd
Werte Weidkameradinnen und Weidkameraden!
Wir Jäger sind Teil unserer Gesellschaft und verhalten uns auch wie alle anderen Bürger. Unterschiedliche Interessen und Meinungen sind nicht a priori negativ, sondern notwendig für eine Weiterentwicklung. Schwierig wird es nur, wenn Dogmen und Vorurteile eine sachliche Argumentation verdrängen. Natürlich befürworten wir die Förderung der Artenvielfalt und können daher nicht grundsätzlich gegen die Anwesenheit von Großraubwild in Österreich sein. Es ist aber bei der ganzen Diskussion zu berück - sichtigen, dass unsere Siedlungsstruktur und Besiedelungsdichte nicht mehr dem Mittelalter entspricht. Die möglichen Lebensräume haben sich drastisch verengt und dafür sind sicher nicht die Jäger verantwortlich. Diese Tatsache kann auch nicht mit einer einseitigen medialen Berichterstattung und Idealisierung von Luchs, Wolf und Bär korrigiert werden. Dogmatischer absoluter Schutz darf nicht Strategie sein, das Gleichgewicht aller wildlebenden Arten muss als Richtschnur für unser Handeln im Vordergrund stehen. Gute und effektive Öffentlichkeitsarbeit setzt immer auch korrektes Handeln voraus. Nur wenn wir unser Verhalten und Handeln erklären und verständlich machen können, kommt die Botschaft bei der nichtjagenden Bevölkerung auch positiv an.
Jäger sind nicht die einzigen Nutzer der Natur. In einem Gespräch zu erklären, wie man sich in Lebensräumen von Wild verhalten soll, bringt weit mehr, als sich über Wanderer, Jogger und Pilzsammler aus - zulassen.
Wir haben heuer als Jahresthema den Jagdhund – Freund und Helfer des Jägers – gewählt. Dieses Thema wollen wir der nichtjagenden Bevölkerung, aber auch speziell unseren Kindern näherbringen. Neben Jagdhundevorführungen mit fachkundigen Erklärungen bei öffentlichen Auftritten, einem Filmbeitrag im BKFSommerfrischmagazin und diversen Pressemeldungen, haben wir außerdem auch unsere Schulunterlagen, die wir den Lehrern zur Verfügung stellen, dem Jagdhund gewidmet.
Der spanische Jagdphilosoph José Ortega y Gasset (1883-1955) schreibt über den Jagdhund: „Eines Tages jedoch hatte der Mensch eine geniale Eingebung; um das übervorsichtige Tier aufzuspüren, nahm er zum Spürinstinkt eines anderen Tieres Zuflucht und nahm dessen Hilfe in Anspruch. Damit tritt der Hund in die Jagd ein, und das ist der einzige denkbare, wirkliche Fortschritt bei der Jagd; er besteht nicht in der direkten Betätigung der Vernunft, sondern vielmehr darin, dass der Mensch seine Unzulänglichkeit anerkennt und zwischen seiner Vernunft und dem Tier ein anderes Tier einschaltet; den Jagdhund.“
Allen Jagdhundeführern herzlichen Weidmannsdank für ihre Arbeit zum Wohle der Jagd und letztendlich auch im Sinne des Tierschutzes, um Wild rasch zustande zu bringen.
Allen Jägern, die keinen Jagdhund führen, gebe ich zu bedenken, dass ihnen der Jagdhund des Weidkameraden bei der Jagd hilft, um erfolgreich zu sein, nämlich vor und nach dem Schuss. Nichthundeführern steht es nicht zu, über einen Jagdhund zu urteilen, denn oft hat erst die eigene Unzulänglichkeit, das eigene Fehlverhalten, der unbedachte Schuss, oder auch die mangelnde Übung mit der Waffe dazu geführt, dass der Einsatz des Jagdhundes erforderlich wurde. Alle Jäger, die keinen Jagdhund führen, sollten daher dankbar sein und sich auch für geleistete Hilfe bei den Jagdhundeführern erkenntlich zeigen.
Schließen möchte ich diesmal mit dem Gedanken, dass eigenverantwortliches Handeln eine klare Werthaltung voraussetzt. Jagdethik, Respekt vor Menschen, Tieren und der Natur sowie korrektes weidmännisches Verhalten sind die Grundlagen. Wer sich diesen Werten verpflichtet fühlt, darf mit Freude jagen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch zu Beginn der Herbstjagden ein kräftiges Weidmannsheil, denn gemeinsam können wir Vieles bewegen, allein kann ich nur wenig davon erfüllen.
Euer Landesjägermeister
DI Peter PRIELER