
Werte Weidkameradinnen und Weidkameraden!
Wenn wir Jäger für uns in Anspruch nehmen, über Wild und Natur umfassend informiert zu sein, so bedingt dies aber auch laufende Weiterbildung. Wir haben eine schwere Prüfung absolviert, die neben Wildbiologie, Ökologie, Wildbewirtschaftung, Wildbrethygiene, Jagdpraxis, Jagdethik und jagdliches Brauchtum auch das Jagd-, Forst-, Naturschutz- und Waffenrecht umfasste. Aber wir müssen uns mit diesen Themen ein Leben lang auseinandersetzen.
Eine Möglichkeit dazu ist immer die zu
Jahresanfang im Feber in der Steiermark
stattfindende Österreichische Jägertagung. Über 800 Jäger aus ganz Österreich haben sich heuer mit dem Thema
"Wildtiere unter Druck" beschäftigt.
Lebensräume werden eingeschränkt
oder verschwinden für Freizeiträume
für den Menschen. Straßen, Gemeinden,
Sportanlagen benötigen Platz und dringen mehr und mehr in bisher unberührte
Landschaften.
Unsere Freizeitgesellschaft beansprucht
aber nicht nur Raum zur Erholung, vielmehr wird immer mehr Naturraum
für fragwürdige Spiele und Freizeitvergnügen beunruhigt, wie z.B. durch
"Geocaching", eine Form des modernen
Versteckspielens – ein "Schatz" wird in
der Wildnis versteckt und mit einigen
Hinweisen im Internet versuchen Menschen mit GPS-Systemen diesen Schatz
als Erster zu finden. Hierbei wird keine
Rücksicht auf Wildtiere und deren Einstände genommen.
Nachtmountainbiken, Nachttourenschilauf, Nachtläufe quer durchs Gelände
mit Stirnlampen usw. gewähren Wildtieren keine Ruhezeiten.
Aber auch Klimaveränderungen bringen
die Wildtiere unter Druck, indem Wälder
und Waldgemeinschaften sich stetig verändern. Der Laubwald wird in immer
größere Höhen vordringen. Neu zugewanderte und auch wiedereingewanderte Wildtiere werden unsere bestehenden
Wildtierpopulationen verändern.
Unter gewissen Umständen stellen sogar wir Jäger eine Belastung für die
Wildtiere dar. Falsch angelegte Fütterungen, nicht angepasste Jagdmethoden, zu hoher Jagddruck und falsch verstandene Kirrungen, die manchmal
schon in Mast ausarten, sind zu hinterfragen und zu ändern.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns laufend weiterbilden, neue Erkenntnisse
erfahren, aber auch an Althergebrachtem festhalten, wenn dies heute noch
seine Berechtigung hat.
Daher wird auch das Angebot des Bgld.
Landesjagdverbandes an Weiterbildungsveranstaltungen erhöht und vorrangig von der "Werkstatt Natur" als
Ausbildungs- und Weiterbildungsstätte
durchgeführt werden. Nach Möglichkeit werden die Seminare und Informationsveranstaltungen in allen Bezirken angeboten.
Dieser Ausgabe des Info-Blattes ist das
heurige Programm der Weiterbildungsveranstaltungen beigelegt. Neben theoretischen, wissenschaftlichen Themen
sind auch viele praktische Seminare
geplant.
Weiters ist für Herbst eine Tagung zum
Thema "Rotwild" vorgesehen, zu der
internationale Experten eingeladen
werden.
Zu Beginn des neuen Jagdjahres wünsche ich Euch vor allem einen guten Anblick und ein kräftiges Weidmannsheil, denn gemeinsam können wir vieles bewegen, allein kann ich nur wenig davon erfüllen!
Euer Landesjägermeister
DI Peter PRIELER