Werte Weidkameradinnen und Weidkameraden!
Wir Jäger sind Teil unserer Gesellschaft und sehen uns daher mit
immer neuen Herausforderungen konfrontiert. Unser Tun und Handeln den
anderen Bürgerinnen und Bürgern zu
vermitteln, ist nicht einfach, wir sind
allerdings dazu aufgefordert, dies laufend zu tun. In der Politik, in der Wirtschaft aber auch am Stammtisch müssen
wir Rede und Antwort stehen. Haben
wir in den letzten Jahrzehnten hier an
Glaubwürdigkeit gewinnen können?
Ich darf dazu Prof. Hoffer zitieren, der
uns in einem Heft der Jagdzeitschrift
"Der Anblick", das leider erst etliche
Tage nach seinem Tod im Jahr 1952 erschienen ist, folgende Sätze zurückge
lassen hat:
"Schwere neue Aufgaben sind zu bewältigen, müssen doch die weiten Kreise der Jägerschaft mit dem Gedanken
vertraut gemacht werden, dass sich die
Rolle der Jagd und des Jägers nach
dem Zweiten Weltkrieg grundlegend
geändert hat. Die Jagd ist keine noble
Passion, noch viel weniger die Quelle
eines Gelderwerbes.
Der Jäger wird sich zum bewaffneten
Naturschützer entwickeln, der freilebende Wildstand zum Naturdenkmal,
das davor bewahrt werden muss, in seinen letzten Vertretern in Museen zu verstauben. Wer heute Weidmann sein will,
darf nicht so sehr an Trophäen und Beutemachen denken, sondern muss sich in
die Front derjenigen eingliedern, die mit
Liebe und Verständnis all das in unserer
Heimat zu erhalten trachten, was schnöder Materialismus als hinderlich, überflüssig oder nutzlos betrachtet."
(Zitat des ANBLICK-Gründers Prof.
Willibald Hoffer, erschienen in "Der
Anblick" 1952).
Hat sich seit 1952 die Herausforderung
an die Jagd geändert oder sind wir heute
nicht noch immer und noch mehr gefordert, uns für die Natur und den Lebensraum wildlebender Tiere einzusetzen.
Wir Jäger müssen im kleinen Kreis wie
im großen Ganzen noch mehr unseren
Auftrag und unser Tun der Bevölkerung
nahebringen.
Vieles hat sich zum Positiven gewendet, aber oftmals müssen wir auch Rückschläge hinnehmen. Die Entfremdung des Menschen von der Natur nimmt zu, umgekehrt drängt es die Menschen hinaus ins Freie, um ihre Freizeit zu verbringen und sich zu verwirklichen. Aufklärung über den maßvollen Umgang mit und in der Natur ist ebenso wichtig wie die Lenkung der Touristenströme und die Führung zur Freude an der Natur. Joggen mit dem Walkman auf voller Lautstärke bringt kein Naturerlebnis und könnte im Fitnesscenter besser und unfallfreier absolviert werden. Unsere Arbeit – Hege und Ernte als sinnvolle Nutzung der Natur zum Wohle des Menschen, aber auch zum Wohle der wildlebenden Tiere – müssen wir darstellen. Dies bedingt aber auch keine Übertreibungen in der Hege und keine materielle Profitgier bei Wildstand und Trophäen. Gesundes Wild in einer intakten Umwelt muss unser Ziel sein. Maßhalten in der herbstlichen Ernte auf Basis von Wildstandsschätzungen und Beobachtungen im Sinne der nachhaltigen Nutzung haben wir Jäger in den letzten Jahren bewiesen. Heuer dürfen wir nach unserem derzeitigen Wissensstand auf reichere Ernte hoffen. Mit diesem Gedanken möchte ich diesmal schließen:
Eigenverantwortliches Handeln zum Wohle der Natur, des Wildes und der Jagd setzt eine klare Werthaltung voraus. Jagdethik, Respekt vor Menschen, Tieren und der Natur sowie korrektes weidmännisches Verhalten sind die Grundlagen dafür. Wer sich diesen Werten verpflichtet fühlt, darf mit Freude jagen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch zu Beginn der Herbstjagden ein kräftiges Weidmannsheil, denn gemeinsam können wir vieles bewegen, allein kann ich nur wenig davon erfüllen!
Euer Landesjägermeister
DI Peter PRIELER